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60 + 2 Jahre Rathaus Flieden

Flieden, den 13.07.2022

Seit 1960 besitzt die Gemeinde Flieden ein eigenes Verwaltungsgebäude. Das ist Anlass zur Bilderausstellung „60 + 2 Jahre Rathaus Flieden“, die derzeit Fliedener Rathaus anlässlich des 50jährigen Bestehens der Großgemeinde zu sehen ist. Auf vier Tafeln mit je neun Motiven werden die bauliche Entwicklung, seines Umfeldes und geschichtliche Bedeutung dargestellt.

In seinem Eröffnungsvortrag wies Raimund Henkel auf ein weiteres Jubiläumsdatum hin: Den Abbruch des ersten Bürgermeisteramtes vor 50 Jahren, an dessen Stelle sich danach ein Elektro-Fachgeschäft etablierte.

Zuvor erläuterte der Redner die Entwicklung der Kommunalverwaltung seit dem 17. Jahrhundert, als der Schultheiß das Sagen hatte. Seit der Einführung der kurhessischen Gemeindeordnung 1834 besteht die Bezeichnung Bürgermeister. Fliedens Schultheißen und Bürgermeister übten ihre Amtsgeschäfte bis 1938 in ihren eigenen, meist bescheidenen Wohnungen aus. Erst im genannten Jahr wurden Räumlichkeiten geschaffen, als der jüdische Geschäftsmann Jesaias Katz wie seine anderen Glaubensangehörigen sein Wohnhaus gegenüber dem Pfarrhof zwangsverkaufen musste. Im Laufe der Jahrhunderte zuvor waren auf dem Gehöft Bäcker, Bierbrauer, Schnapsbrenner, eine Gaststätte und die Post ansässig.

Auch das Vorgängergebäude des Rathauses hatte eine interessante Geschichte. Hier befand sich unmittelbar neben dem Torhaus mit der Zollstation an der Via Regia seit dem Mittelalter das Gasthaus Zum Schwarzen Adler. Bis zur Inbetriebnahme der Eisenbahn 1868 liefen dessen Geschäfte hervorragend, nicht zuletzt wegen der dortigen Um- und Vorspannstation. 1885 kam das Anwesen in jüdischen Besitz bis 1938  als es in Gemeindeeigentum überging. Das Haus blieb für Wohnungen erhalten und im Erdgeschoss richtete die Feuerwehr einen Geräteraum ein. Auch eine Näherei und eine Schusterwerkstatt fanden hier eine Unterkunft.

20 Jahre später erfolgte der Abbruch des marode gewordenen Hauses. Schon zuvor waren Wirtschaftsgebäude abgetragen und es entstanden dort ein Feuerwehrhaus, Gefrieranlagen und Garagen. Der Rathausneubau selbst war anfangs eigentlich ein Mehrzweckgebäude, denn außer der Gemeindeverwaltung waren eine Arztpraxis, Apotheke und die Post eingezogen. Hinzu kamen sechs Wohnungen. Mit dem Anwachsen der Verwaltungsaufgaben wurden mehr Räume erforderlich und mit dem Auszug der Mitbenutzer konnte sich die Gemeinde besser entfalten. Auch baulich gab es im Laufe seines Bestehens Veränderungen. 1983 wurde die kastenförmige, nüchterne Architektur mit Fliedens erstem Flachdach durch das Anbringen einer Mansarddach-Attrappe optisch verschönert. Durch die Absiedlung des Nachbarhofs „Bürgermeistersch“ (nach Nikolaus Happ, 1858-1896 Bürgermeister) und den Abbruch der vorgenannten öffentlichen Einrichtungen bekam das Hauptgebäude ein neues Treppenhaus und einen Sitzungssaal. Der feierlichen Einweihung 2003 schloss sich die Gestaltung der Außenanlagen an mit Grün- und Parkflächen im hinteren Bereich sowie auf der Straßenseite die Aufstellung eines Bildstocks und einer Schriftplatte zur Erinnerung an die einstige Zollstation und eines Springbrunnens anlässlich der 1200-Jahrfeier der Gemeinde in 2006. Erst in 2022 wurde das Rathaus erstmals in allen Etagen für den Verwaltungsbedarf genutzt.

Die Ausstellung ist bis auf Weiteres zu den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung im Foyer des Rathauses zugänglich.

 

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Erstes Verwaltungsgebäude gegenüber dem Pfarrhaus in der Hauptstraße aus 1777

 

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Das neue Rathaus kurz nach seiner Fertigstellung 1960

 

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Umfangreiche Umbaumaßnahmen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

 

 

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Ausstellung im Rathausfoyer

 

Bild zur Meldung: 60 + 2 Jahre Rathaus Flieden